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Ein Sarg wird geöffnet, Quelle: ARD

Weltspiegel

Indonesien: Totenkult auf Sulawesi

23.09.2018 | 6 Min. | UT | Verfügbar bis 23.09.2019 | Quelle: Das Erste

Es ist eine geheimnisvolle Welt hoch oben in den Bergen der Insel Sulawesi. Hier lebt das Volk der Toraja. Ihre Traditionen sind Jahrhunderte alt. Ihre Toten-Rituale legendär. Maria Ranti war 95 Jahre alt, als sie 2015 starb. Heute wird ihr Sarg erstmals wieder geöffnet, denn es ist Zeit für "Ma’nene", die Reinigung der Toten.
Nichts für empfindliche Nasen. Mit Lieblingshandtasche und Hut soll die Tote nun ein paar Stunden mit ihrer Familie verbringen. Hier ein Zeichen der Nächstenliebe. Im Dorf Lempo Poton ist im März mit 91 Jahren der Lehrer Elias Tande gestorben. Seine Frau Ester bewahrt den Leichnam zu Hause auf. Gut einbalsamiert. Bis zur Trauerfeier kann es noch Monate dauern. Bis dahin gilt er nicht als tot sondern als makula - krank. Der Tod ist bei den Toraja kein abruptes Ende, sagt Ester Butu. Sondern der Beginn eines langen Prozesses, Lebewohl zu sagen. "Wenn ich in den Sarg schaue, habe ich das Gefühl, dass er irgendwie immer noch da ist. Die ganze Familie hat Zeit, langsam Abschied zu nehmen. Die Kinder und die Enkel kommen oft vorbei und dann sitzen wir bei ihm, bis wir irgendwann bereit sind, ganz loszulassen."
Gleich nach seinem Tod wurde Elias Tande das Konservierungsmittel Formalin gespritzt. Damit sein Leichnam möglichst lange gut erhalten bleibt. Alle drei Jahre trifft sich die ganze Verwandtschaft dann - zum großen Wiedersehen mit den Toten. Die ewige Präsenz des Todes im Leben. Bei den Toraja gibt es kein Verdrängen.

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