Das Riester-Dilemma - Portrait einer Jahrhundertreform
Im Januar 2001 wurde die Riester-Rente eingeführt - und als entscheidender Schritt zur Lösung der Rentenfrage gefeiert. Ihre Verfechter waren sich damals einig: Die gesetzliche Rente alleine könne es nicht mehr schaffen. In einer älter werdenden Gesellschaft müsse jeder privat vorsorgen. Mit großzügigen staatlichen Zuschüssen sollten die Bürger ermuntert werden, ein privates Zusatzpolster für ihr Alter anzusparen. Doch heute, rund zehn Jahre später, entpuppt sich die vermeintlich renditeträchtige Privatvorsorge à la Riester mehr und mehr als Rohrkrepierer: Die staatlichen Zuschüsse kommen vor allem den Versicherungsgesellschaften zugute und nicht den kleinen Sparern. Oft werfen Riesterversicherungen sogar weniger ab als viele ungeförderte Produkte - auch, weil der Staat zwar die Ansparphase großzügig fördert, aber bei der Auszahlung ebenso großzügig Steuern erhebt. Viele Rentner müssten über 90 werden, um auch nur das Geld wiederzusehen, das sie in die Riester-Versicherungen eingezahlt haben. Und schließlich droht gerade Geringverdienern der Totalverlust. Denn wer im Alter auf Sozialhilfe angewiesen ist, bekommt die angesparte Riester Rente nicht oben drauf. Sie wird viel mehr verrechnet von der Sozialhilfe abgezogen. Schließlich haben nur knapp die Hälfte aller Antragsberechtigten eine Riester Rente abgeschlossen. Aber alle sind von der parallelen Rentenkürzung betroffe...
Quelle: SR-
MB schreibt am 10.01.2012
um 11:38 Uhr:
Mh....nette Reportage...und nun? Ich, 28, Akademiker mit durchschnittlichem Verdienst und bisher ohne private Altersvorsorge mache jetzt genau was? Warten? Trotzdem riestern und später ggf. in andere/neue Modelle wechseln? Alternativen suchen (welche)? Ich hätte mit meinen GEZ Gebühren gern die Reportage um 5 Minuten verlängert und um das Kapitel "Lösungen und Alternativen" erweitert. Leider fehlt das. Daher bekommt das "Produkt" von mir nur ein "befriedigend"...ähnlich wie viele (auch staatlich geförderten) Riesterangebote. Schade.
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Stefan Becker schreibt am 10.01.2012
um 12:05 Uhr:
Seit Jahren verfolge ich nun kritisch diese s.g. Rentenreform und Gott sei Dank stieß ich rechtzeitig auf die Nachdenkseiten von Albrecht Müller, der von vornherein tranzparent machte was da eigentlich passiert. Er stellte die alles entscheidende Frage. Cui bono ? Die Antwort war eindeutig. Verdienen sollte nur die Finanz- und Versicherungsindustrie. Also lies ich die Finger von diesen Finanzprodukten und legte überschüssiges Geld auf ein normales Sparkonto (4%) an. Deshalb besonderen Dank an die Nachdenkseiten und der ARD für die Auflärungsarbeit, wenn sie auch für viele zu spät kommt.
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